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Unternehmen und Börse – Bundestagswahlen haben kaum Einfluss

28.09.2017

Liebe Anlegerin, lieber Anleger,

achselzucken an der Börse. Die Folgen der Bundestagswahl für uns alle, in erster Linie aber für die Wirtschaft, bleiben möglicherweise monatelang im Ungewissen. Das mögen die Anleger nicht. Zudem werden die Finanzmärkte vom an Schärfe weiter gewinnenden Konflikt zwischen Nordkorea und den USA überschattet. Trotzdem scheint es vergebliche Mühe zu sein, sich gegen das ständige Zitieren der angeblichen Börsenweisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“ zu wenden – Analysten und Journalisten holen diese falsche und sprachlich einfach miserable Metapher immer wieder aus der Schublade. Deshalb sei noch einmal dargelegt, was eigentlich gemeint ist.

Es ist unstrittig, dass die Einflüsse politischer Entscheidungen auf das wirtschaftliche Geschehen nicht zuletzt durch die Globalisierung stark zugenommen haben, dass die Verflechtung von Wirtschaft und Politik immer enger wird. Das spiegelt sich überall auch an den Finanzmärkten wider. Was aber mit den „kurzen Beinen“ angesprochen wird, ist die Beobachtung, dass durchaus wichtige politische Ereignisse wie eben Wahlen und Regierungswechsel meist nur kurzfristig direkte Wirkung auf die Kursentwicklung nehmen. Deswegen mahne ich diese Differenzierung an.

Und wie denken bzw. reagieren die Unternehmen selbst? Hierzu liefert eine ganz aktuelle Untersuchung des DZ Bank Research interessante Informationen. Fazit: Bundestagswahlen haben kurzfristig kaum Einfluss auf die Unternehmensstimmung. Das Geschäftsklima reagiert erst, wenn eine neue Wirtschafts- und Finanzpolitik direkte Auswirkungen auf die Unternehmen hat. Das bestätigt meine Differenzierung, denn dann wird Politik börsenrelevant.

Die Unternehmen in Deutschland zeigten sich in den vergangenen 23 Jahren weitgehend unbeeinflusst von etwaigen Stimmungen und Strömungen während des Wahlkampfs. Dies war auch bei dieser Bundestagswahl der Fall, wie der Verlauf des Ifo-Geschäftsklimas zeigt. Das Geschäftsklima reagiert allenfalls, wenn eine neue Wirtschafts- und Finanzpolitik letztendlich direkte Auswirkungen auf die Unternehmen hatte. Ob das auch angesichts des aktuellen Wahlergebnisses der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Dass die Unternehmen so rational auf Wahlkampf und Endergebnis der Bundestagswahlen reagieren, ist auch darauf hinauszuführen, dass die meisten denkbaren Regierungskonstellationen mittlerweile ihren Schrecken für die große Mehrheit der Unternehmen verloren haben. Dies dürfte auch für die Jamaika-Variante gelten.

Auch wenn das Ifo-Geschäftsklima in diesem Monat leicht zurückgegangen ist, bleibt es auf einem im langjährigen Vergleich sehr hohen Niveau. Mit aktuell 115,2 Punkten wird immerhin das drittbeste Ergebnis überhaupt erzielt. Lediglich in den beiden vorangegangenen Monaten fiel die Unternehmensstimmung jeweils noch etwas besser aus. Gegen den allgemeinen Trend setzt das Bauhauptgewerbe seinen Höhenflug fort. Eine verbesserte Lageeinschätzung sowie gestiegene Geschäftserwartungen sorgten im September erneut für ein Rekordhoch, wie schon in den beiden vorangegangenen Monaten.

Inzwischen ist das Ergebnis der Bundestagswahl zwar bekannt, aber selbst die zuvor bestehende Unsicherheit konnte den Unternehmen die Stimmung nicht allzu sehr vermiesen. Die Firmen sind derzeit spürbar besser gestimmt als bei allen vorangegangenen Bundestagswahlen seit der deutschen Einheit. Bei allen Wahlen seit 1994 hat sich der zum Wahltag eigentlich vorhandene Stimmungstrend nur einmal grundlegend gedreht.

Es hat sich also gezeigt, dass die deutschen Unternehmen kurzfristig kaum auf die Bundestagswahlen reagieren. Längerfristig kann das zwar anders sein. Allerdings betrifft das weniger den Wahlausgang als vielmehr die sich aus dem Wahlausgang tatsächlich ergebenden Veränderungen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik für die deutschen Unternehmen, da diese unmittelbare Auswirkungen auf ihr Geschäftsergebnis haben können. Kommentar der DZ-Bank-Analysten: „Der eher rationale Umgang der Unternehmen mit den Bundestagswahlen liegt aber vor allem auch daran, dass die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker abhängig von der globalen Entwicklung wurde, auf welche eine nationale Regierung nur noch einen vergleichsweise geringen Einfluss hat.“

Übrigens: Ich bin sicher, dass am 8. Oktober viel mehr und andere Themen im Mittelpunkt stehen werden. Haben Sie sich schon für den Rosenheimer Börsentag angemeldet?

Machen Sie also weiter mit – und machen Sie’s gut!

Herrmann Kutzer
Redaktion
Aktien-Ausblick

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