Gerhard Heinrich

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Kolumne

Gerhard Heinrich zum Thema Asien

Asien-Börsen: China übergewichten – Indien untergewichten

Gerhard Heinrich

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

China und Indien sind Asiens zwei große Wachstumsnationen. Das beeindruckende Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre, die riesige Bevölkerung und die gewaltigen Märkte, die sich in diesen Ländern auftun, haben die Anleger aufhorchen lassen. Auch die Finanzkrise wurde in diesen Ländern mit Bravour gemeistert. In beiden Fällen sind die langfristigen Perspektiven glänzend.

Die Aktienmärkte beider Länder konnten sich seit Frühjahr 2009 sehr deutlich erholen. Seit einigen Monaten ist die Entwicklung allerdings konträr. Während der Shanghai Composite Index bereits im Herbst deutlich korrigierte, hat sich der indische Sensex 30 bis zuletzt weiter nach oben entwickelt. Und auch der Rücksetzer im Januar war bei Indiens Leitindex nicht wirklich dramatisch.

Der Grund für den Rückschlag in China ist relativ offensichtlich. Dort herrscht seit einiger Zeit die Befürchtung vor, dass der Aktienmarkt und auch Teile der realen Wirtschaft überhitzt sein könnten. Vor allem das hohe Geldmengenwachstum und die Preissteigerungen auf dem chinesischen Immobilienmarkt beunruhigen viele Investoren. Die Marktteilnehmer sind einhellig der Meinung, dass Chinas Regierung die Geldpolitik drosseln und ihre Konjunkturprogramme zurückfahren muss, um das weiterhin sehr hohe Wirtschaftswachstum nachhaltig werden zu lassen. Und die Regierung hat auch bereits erste Drosselungsmaßnahmen durchgeführt, was angesichts des enorm hohen Wachstums von 10,7 Prozent im vierten Quartal 2009 sinnvoll und vernünftig erscheint.

Interessanterweise ist es aber nicht China, sondern Indien, wo jetzt genau die Probleme auftreten, die eigentlich für China prognostiziert worden sind. Allem voran nimmt in Indien die Inflation wieder erheblich an Fahrt auf. Die Verbraucherpreise sind im Januar auf Jahressicht um 8,56 Prozent gestiegen. Im September hatte die Preissteigerungsrate noch bei vernachlässigbaren 0,5 Prozent gelegen. Dies ist zwar in erster Linie auf Ernteausfälle zurückzuführen. Aber auch die wieder sehr robuste Binnennachfrage spielte hier natürlich eine wichtige Rolle.

Hinzu kommt, dass Indien während der Krise ordentlich in die Staatskasse greifen musste, um die Binnennachfrage anzukurbeln. Damit verhielt sich das Land zwar auch nicht anders als die Regierungen weltweit. Allerdings wird von den großen Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit Indiens nicht allzu hoch eingeschätzt. Das Land ist schlechter eingestuft als etwa Russland oder Brasilien. Die gestiegene Staatsverschuldung wird deshalb zunehmend skeptisch gesehen. Diese sollte im laufenden Fiskaljahr (bis Ende März 2010) bei rund 6,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen.

Im Vergleich dazu hat zwar auch China ein gewaltiges Konjunkturprogramm aufgelegt. Das Reich der Mitte konnte sich die daraus entstandenen Belastungen aber viel eher leisten. Chinas Haushaltsdefizit lag auch 2009 lediglich bei 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Viele westliche Industrienationen wären froh, wenn sie eine so niedrige Neuverschuldungsquote erreichen würden. In Deutschland etwa lag die Neuverschuldung 2009 bei 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – und dennoch konnte damit das Wirtschaftswachstum hierzulande nicht nennenswert angekurbelt werden.

Chinas Regierung kann dementsprechend relativ gelassen planen, und bei Bedarf durchaus weitere Maßnahmen zur Wachstumsförderung auflegen. Gleichzeitig befindet sich dort auch die Inflation unter Kontrolle. Sie lag im Dezember im Jahresvergleich lediglich bei 1,9 Prozent, und ging im Januar sogar auf 1,5 Prozent zurück. Indien hingegen darf sich in puncto Wachstumsförderung nicht mehr allzu weit aus dem Fenster lehnen – denn zum einen fehlt das Geld, und zum anderem ist der inflationäre Druck schon zu hoch. Wir stellen fest:

Länder mit einem hohen strukturellen Wachstum – wie wir es vor allem in Asien finden – haben stets mit einem gewissen Inflationsdruck, Überhitzungstendenzen und manchmal auch mit hoher Staatsverschuldung zu kämpfen. Momentan hat die Volksrepublik China diese Probleme besser im Griff als der Nachbar Indien. Interessanterweise wird die chinesische Börse aber schon seit Längerem für die potenziellen Überhitzungs- und Inflationsgefahren bestraft, die sich eigentlich in Indien abspielen. Die Indien-Anleger wiederum blieben von diesen Szenarien bisher relativ unbeeindruckt.

Aus der Makro-Perspektive ziehen wir deshalb momentan chinesische Aktien den indischen vor. Vor allem die an der Börse Hongkong gelisteten China-Unternehmen sind inzwischen wieder sehr günstig bewertet. In Indien sehen wir verstärkt Inflationsgefahren, die den Markt dort früher oder später belasten werden. Dennoch gibt es auch dort weiterhin einzelne Werte, die wir für unbedingt kaufenswert erachten. Denn auch in Indien überwiegen die Chancen mittelfristig bei Weitem die Risiken. Unsere konkreten Empfehlungen für die Börsen in China und Indien und für die übrigen asiatischen Aktienmärkte finden Sie in unserem Börsenbrief ASIEN-Trends, den Sie hier kostenlos testen können.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investments!
Ihr

Gerhard Heinrich

 

P.S.: Gerhard Heinrich und Rainer Hahn sind die renommiertesten Asien-Experten und verfassen gemeinsam den Börsenbrief ASIEN-Trends, wobei einer der beiden Experten immer in Asien vor Ort ist. Die ASIEN-Trends zeigen Ihnen Woche für Woche die lukrativsten Investment-Chancen Asiens, in den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen der Erde. Dabei stehen Unternehmen mit Vervielfachungspotenzial im Vordergrund, aber es geht auch um Indizes und Rohstoffe, deren Chancen mit Optionsscheinen und Zertifikaten ausgelotet werden. Die ASIEN-Trends erscheinen immer bei Handlungsbedarf, aber mindestens einmal wöchentlich per E-Mail und werden von zahlreichen Services begleitet. Hier geht es zum kostenlosen Test.


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Lebenslauf

Gerhard Heinrich ist seit 20 Jahren an den Börsen tätig, wovon sich der Analyst seit acht Jahren voll auf die asiatischen Finanzmärkte konzentriert. Zwei Jahre arbeitete Gerhard Heinrich als Finanzredakteur in Bangkok und betreibt heute den Asien-Bereich von Deutschlands größtem Asien-Portal EMFIS.com. Dabei pendelt der Asienspezialist zwischen Deutschland, Singapur, Bangkok und Hong Kong und ist regelmäßig auf N-TV („Märkte am Morgen") und dem Deutschen Anleger-Fernsehen („Q+A") zu sehen.

Gemeinsam mit Rainer Hahn verfasst Gerhard Heinrich den Börsenbrief „Asien-Trends" und gibt darin konkrete Empfehlungen für die am schnellsten wachsende Wirtschaftsregion der Erde. Dabei erscheinen die „Asien-Trends" sofort, wenn sich an den asiatischen Märkten eine neue Tradingchance ergibt – aber mindestens einmal pro Woche. Weitere Informationen zu diesem Börsendienst finden Sie hier.