Gerhard Heinrich

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Kolumne

Gerhard Heinrich zum Thema Asien

Toyota: Nach dem Kursrutsch schon wieder kaufenswert?

Gerhard Heinrich

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Aktie von Toyota Motor hat sich bis vor kurzem eigentlich recht gut entwickelt. Nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase im Herbst stieg der Kurs ab November wieder steil an, nachdem klar wurde, dass die Autonachfrage weltweit wieder anziehen wird. Noch vor drei Wochen wurde ein neues Jahreshoch erreicht. Dann kam allerdings die Schreckensmeldung:

Der japanische Autoriese muss wegen klemmender Gaspedale in mehreren Modellen eine riesige Rückrufaktion starten. Seitdem ist die Aktie um mehr als 20 Prozent eingebrochen – knapp 23 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung sind inzwischen beim Teufel. Der Schock sitzt tief:

Bis zu acht Millionen Fahrzeuge muss Toyota aufgrund dieses Malheurs weltweit zurückrufen und reparieren. Hinzu kommen – wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde – Probleme bei den Bremsen des Vorzeige-Hybridmodells „Prius“. Das verursacht nicht nur enorme Kosten, sondern auch einen beträchtlichen Imageschaden. Bisher galt Toyota als solider und qualitätsbewusster Hersteller. Dies war nicht zuletzt auch der Grund, warum der Konzern 2009 zum umsatzstärksten Autoproduzenten der Welt aufsteigen konnte, und damit General Motors nach jahrzehntelanger Dominanz vom ersten Platz verdrängte.

Inzwischen riechen die amerikanischen Hersteller aber wieder Morgenluft. Im Januar schafften General Motors in den USA ein Absatzplus von 14 Prozent; bei Ford stieg der Absatz sogar um 25 Prozent. Dagegen erlitt Toyota dort einen Absatzeinbruch um 16 Prozent auf 98.796 Fahrzeuge. Das entspricht dem niedrigsten Niveau seit 10 Jahren. Dies lag nicht nur daran, dass Toyota für die acht Modelle, die von dem Rückruf betroffen sind, auch die Auslieferungen komplett gestoppt hat. Vielmehr haben sich auch die amerikanischen Medien auf den Fall gestürzt und den erfolgsverwöhnten japanischen Hersteller hämisch demontiert. Die US-Verbraucher sind dementsprechend verunsichert und machen um die Marke „Toyota“ momentan einen großen Bogen.

Und nicht nur potenzielle Autokäufer, sondern auch Börsianer fassen Toyota momentan nicht an, was letztlich zu dem jüngsten Kursrutsch führte. Allerdings gab es in den vergamngenen Tagen – nachdem sich die Aktie stark verbilligt hat – bereits wieder die ersten freundlichen Analystenkommentare. Hilfreich war vor allem die Stellungnahme des Unternehmens selbst. Der Ausblick der Japaner war nicht annähernd so zurückhaltend, wie dies viele Marktteilnehmer befürchtet hatten. Im Gegenteil:

Toyota rechnet für das laufende Jahr (bis Ende März 2010) trotz des Rückrufprogramms mit einem Nettogewinn von 80 Milliarden Yen oder umgerechnet rund 630 Millionen Euro. Zuvor hatte der Konzern noch einen Verlust von 200 Milliarden Yen prognostiziert. Der deutlich freundlichere Ausblick ist vor allem auf die moderate Erholung der globalen Autonachfrage, aber auch auf massive Kostensenkungen zurückzuführen.

 

 

Hinzu kommt, dass Toyota den Verlust, den die Rückrufaktion verursachen dürfte, bereits in den neuen Ausblick eingearbeitet hat. Der Konzern veranschlagt diesen mit 180 Milliarden Yen oder 1,4 Milliarden Euro. Dabei werde die Rückrufaktion selbst 100 Milliarden Yen kosten; die Belastungen durch den Imageschaden werden mit 70 bis 80 Milliarden Yen veranschlagt. Wie die Gesellschaft mitteilte, ist lediglich der zusätzliche Aufwand durch die neu entdeckten Mängel am „Prius“ noch nicht in dieser Schätzung enthalten. Angesichts der Tatsache, dass Toyota stets sehr konservative Prognosen abgibt, dürfte der verursachte Flurschaden demnach zwar erheblich, aber für die Aktionäre letztlich gut verkraftbar sein.

Es ist gut möglich, dass der Medienrummel um die Rückrufaktion das operative Geschäft von Toyota noch eine Weile belasten wird. Hinzu kommen mögliche Sammelklagen in Nordamerika, und fallende Wiederverkaufswerte für gebrauchte Modelle, die die Leasing-Sparte in Mitleidenschaft ziehen könnten. Alles in allem sollten diese Erschütterungen dem Konzern aber nicht nachhaltig beschädigen.

Toyota ist in den zurückliegenden Jahren nicht umsonst zum weltgrößten Autokonzern der Welt aufgestiegen. Das Unternehmen hat in puncto Effizienz, Preis-Leistungs-Verhältnis und Marketing Enormes geleistet. Die Finanzkraft und das Markenimage sind weiterhin hervorragend. Daneben ist der Konzern mit Abstand Marktführer im Bereich der immer populären werdenden Hybrid-Fahrzeuge, und hat sich hier einen nicht zu unterschätzenden Kompetenz-Vorsprung aufgebaut.

Nicht verschwiegen werden sollte aber, dass die Aktie auch nach dem jüngsten Rücksetzer noch nicht billig ist. Das KGV (geschätzt) für das laufende Geschäftsjahr liegt weiterhin oberhalb von 20, und ist damit im Branchenvergleich ambitioniert. Und auch hinsichtlich Kurs-Buchwert-Verhältnis sind die Aktien der japanischen Konkurrenten derzeit günstiger zu haben. Hinzu kommen die Währungsisiken durch den Yen, der sich vor allem gegenüber dem Euro zuletzt wieder sichtlich verteuert hat. Dies schmälert potenziell die Konkurrenzfähigkeit und die Gewinnentwicklung im Auslandsgeschäft.

Konservative Investoren mit einem Anlagehorizont von mehreren Jahren sollten auf dem derzeitigen Niveau wieder erste Käufe in Erwägung ziehen. Die Aktie von Toyota ist substanzstark und werthaltig, und der Konzern dürfte die aktuellen Schwierigkeiten mittelfristig gut meistern.

Wichtig wäre jetzt aber, dass sich die Aktie zu stabilisieren beginnt. Hier hat sich am Freitag ein erstes hoffnungsvolles Signal ergeben, als sich der Kurs in Japan in einem extrem schwachen Umfeld gegen den Trend um 1,2 Prozent erholen konnte. Kurzfristig ist weiter mit relativ starken Schwankungen zu rechnen. Eine Unterstützungszone befindet sich im Bereich um 25/26 Euro, wo die Aktie zuletzt im November ihren Boden fand. Dieses Niveau darf aber in den nächsten Wochen auf keinen Fall unterschritten werden.

Wer auf eine nachhaltige Erholung des Autosektors setzen will, sollte sich daneben auch einmal die Toyota-Konkurrenten aus Japan, Korea, Indien und China ansehen. Gerade auf dem asiatischen Kontinent wird die Autonachfrage in den nächsten Jahren enorm steigen. China etwa ist inzwischen der nach Absatz größte Automarkt der Welt, noch vor den USA. Dabei verfügen bisher erst rund 5 Prozent der chinesischen Haushalte über ein Kraftfahrzeug.

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Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investments!
Ihr

Gerhard Heinrich

 

P.S.: Gerhard Heinrich und Rainer Hahn sind die renommiertesten Asien-Experten und verfassen gemeinsam den Börsenbrief ASIEN-Trends, wobei einer der beiden Experten immer in Asien vor Ort ist. Die ASIEN-Trends zeigen Ihnen Woche für Woche die lukrativsten Investment-Chancen Asiens, in den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen der Erde. Dabei stehen Unternehmen mit Vervielfachungspotenzial im Vordergrund, aber es geht auch um Indizes und Rohstoffe, deren Chancen mit Optionsscheinen und Zertifikaten ausgelotet werden. Die ASIEN-Trends erscheinen immer bei Handlungsbedarf, aber mindestens einmal wöchentlich per E-Mail und werden von zahlreichen Services begleitet. Hier geht es zum kostenlosen Test.

 

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Lebenslauf

Gerhard Heinrich ist seit 20 Jahren an den Börsen tätig, wovon sich der Analyst seit acht Jahren voll auf die asiatischen Finanzmärkte konzentriert. Zwei Jahre arbeitete Gerhard Heinrich als Finanzredakteur in Bangkok und betreibt heute den Asien-Bereich von Deutschlands größtem Asien-Portal EMFIS.com. Dabei pendelt der Asienspezialist zwischen Deutschland, Singapur, Bangkok und Hong Kong und ist regelmäßig auf N-TV („Märkte am Morgen") und dem Deutschen Anleger-Fernsehen („Q+A") zu sehen.

Gemeinsam mit Rainer Hahn verfasst Gerhard Heinrich den Börsenbrief „Asien-Trends" und gibt darin konkrete Empfehlungen für die am schnellsten wachsende Wirtschaftsregion der Erde. Dabei erscheinen die „Asien-Trends" sofort, wenn sich an den asiatischen Märkten eine neue Tradingchance ergibt – aber mindestens einmal pro Woche. Weitere Informationen zu diesem Börsendienst finden Sie hier.