Andreas Wolf

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Kolumne

Andreas Wolf zum Thema Zyklen

EUR/JPY- Risikobegrenzung angesagt

Andreas Wolf

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

es ist doch immer wieder interessant, wie eine fast identische Faktenlage unterschiedliche Interpretationen auslöst. So zu beobachten bei der Diskussion über Staatspleiten an den Kapitalmärkten. Neben Griechenland wird nun auch die Kreditwürdigkeit der EU-Staaten Portugal und Spanien in Zweifel gezogen. Unterdessen investieren zunehmend institutionelle Anleger in Japan und stärken damit die Landeswährung Yen. Die Asiaten gehören allerdings zu den am höchsten verschuldeten Nationen der Welt. Wo liegt also der Unterschied zu den Risiken in Europa? Dazu mehr zweiten Teil.

Die Bären halten das Zepter beim DAX nach wie vor in der Hand. Einer moderaten Gegenreaktion in der ersten Wochenhälfte folgte sofort die kalte Dusche mit weiteren Kursverlusten. Ein Test zentraler und wichtiger Unterstützungszonen steht nun bevor.

DAX: Zwischen 200-Tage-Line und massiver Unterstützung

Seit Mittwoch dieser Woche befindet sich der DAX auf dem Weg zum Test der 200-Tage-Linie. Der Showdown zwischen Bullen und Bären wird innerhalb einer Handelsspanne von 5350 und 5450 Punkten stattfinden. Hier laufen kurzfristig mehrere wichtige Unterstützungen zusammen. Neben der 200-Tage-Linie, die aktuell bei 5400 Punkten notiert, sind hier vor allem Hoch- und Tiefpunkte aus dem August und November 2009 zu nennen. Zudem bremst der untere Rand des momentan gültigen Abwärtstrendkanals einen möglichen freien Fall nach unten. Bei 5400 Punkten stünde darüber hinaus auch die Entscheidung an, ob aus der Konsolidierung eine Korrektur wird oder nicht. Bei einem Minus oberhalb von 10 Prozent sprechen Charttechniker in der Regel von einer Korrektur.

Die zyklische Aussage, dass es in der ersten Februar-Hälfte eines 0er-Jahres beim DAX zu einer ausgeprägten Erholung kommen wird, bleibt hingegen unverändert bestehen. Dieser Gegenbewegung vorgeschaltet ist aber der Test der 200-Tage-Linie, denn hierdurch wollen die Bären den Bullen auf den Zahn fühlen. In der Regel haben die Bären bei einem ersten Test der steigenden 200-Tage-Linie kaum eine Chance als Sieger hervorzugehen. Das könnte dann bei einem zweiten Test im April schon ganz anders aussehen.

Noch aber sind diese Entscheidungen nicht gefallen, eine Ausweitung der Abwärtsbewegung sollte deshalb nicht vorzeitig das Wort geredet werden. In der jüngsten Vergangenheit haben die Bullen immer dann Stärke bewiesen, als es besonders kritisch um den Index bestellt war. Eine plötzliche Trendumkehr in Richtung 6000 Punkte muss daher einkalkuliert werden. Erst unterhalb von 5350 Punkten verändern sich die mittelfristigen Parameter. Geduld bleibt deshalb angesagt.

 

DAX seit Juli 2009

 

 


200-Tage-Linie im Fokus der Bären

 

EUR/JPY: Japaner momentan im Vorteil

Während die Aktienmärkte momentan größtenteils Konsolidierungsphasen durchleben, die Volatilität damit auch wieder stärker anzieht, sind die Schwankungen bei den Hauptwährungspaaren schon seit einiger Zeit auf ein höheres Niveau gestiegen. Die unveränderte lockere Zinspolitik der internationalen Notenbanken gibt den Akteuren eigentlich wenig Anlass ihre Positionen zu verändern, aber die Unsicherheit an den Aktienmärkten wegen der Verschuldungskrise einiger EU-Staaten führt zu einer ähnlichen Entwicklung wie im Herbst 2008.

Auch bei den sogenannten „Carry-Währungen"  Yen und Schweizer Franken zeigt sich eine neue Form von Interventionspolitik. Bei einem „Carry-Trade" verschulden sich die Investoren in einer niedrig verzinsten Währung und legen das Kapital in einer hochverzinsten Valuta an. Vor Beginn der Finanzkrise galten Yen und Schweizer Franken als niedrig verzinste Währungen. Mit dem internationalen Absenken des Zinsniveaus haben sie diesen Vorteil verloren.

Sowohl die Schweizer (SNB) als auch die Japanische Notenbank (BOJ) versuchen verbal gegenzusteuern, doch in Zeiten noch nicht genau kalkulierbarer Risiken nehmen Investoren darauf keine Rücksicht. Eine Rückkehr zur Interventionspolitik der Neunziger Jahre wäre heute wirkungslos. Damals waren die Devisenmärkte noch leichter zu beeinflussen, in Zeiten von Internet und Mobiltelefon verpuffen Stützungskäufe aber binnen Stunden. Die Yen-Aufwertung wird dann ihr Ende finden, wenn sich herausstellt, dass die Dramatik um die Insolvenzgefahr europäische Staaten weitaus weniger groß ist als das derzeit dargestellt wird. Denn in Japan sieht es haushaltpolitisch kaum besser aus.

Auf lange Sicht wertet der Yen weiter ab

Noch tut die japanische Regierung vor der Hand aber so, als könne sie soziale Wohltaten verteilen. Da sie mit diesem Versprechen die Wahlen im vergangenen Herbst gewonnen hat, sieht sie sich gegenüber ihren Wählern noch in der Pflicht. Um an Attraktivität gegenüber ausländischen Investoren zurückzugewinnen, bleibt der Regierung in Japan aber nichts anderes übrig, als der Strategie der USA zu folgen und eine Abwertung der einheimischen Währung auf lange Sicht aktiv zu befördern.

Der Fortsetzung der Verschuldungspolitik der Vorgängerregierung wurde zwar wortreich abgeschworen, die Praxis zeigt aber das Gegenteil. Verschuldet sich das Land in dem aktuellen Tempo der zurückliegenden drei Jahre weiter, werden die Märkte den Yen von ganz allein wie Butter in der Sonne schmelzen lassen. Die japanische Notenbank, die direkt am Tropf der Regierung hängt, wird dagegen kaum etwas unternehmen wollen und können.

 

 

EUR/JPY seit Oktober 2007

 

 

Test der Tiefpunkte aus dem Jahr 2009

 

EUR/JPY: Eine W-Formation in der Entstehung

Im vergangenen Jahr bewegte sich der Yen in einer Handelsspanne zwischen 130 und 140 zum Euro. Die aktuelle Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten infolge der staatlichen Finanzierungskrise in Europa führt aber ähnlich wie beim US-Dollar zum Euro zu einer Konzentration der internationalen Anleger auf ihren heimischen Anlageraum und zu einer raschen Auflösung von ausländischen Engagements. US-Dollar, Yen und Schweizer Franken werten wie bei der Lehman-Pleite im Herbst 2008 binnen kurzer Zeit stark auf und scheinen aufgrund der unsicheren Aussichten auch noch weiteres Aufwärtspotenzial zu besitzen.

Technisch gesehen steuert der Yen auf die Tiefstkurse des Frühjahres 2009 bei 112 Yen zu. Damit deutet sich die Entstehung einer W-Formation an, die als Konsolidierung vor einem weiteren größeren Abwertungsschub zu sehen wäre. Aus Sicht des Zyklus für die 0er-Jahre stünde eine vorübergehende Wiedererstarkung des Yen nicht im Gegensatz zu einer langfristigen Abwertung der japanischen Währung. In diesem Jahr dürfe es demnach noch bis Herbst unter Schwankungen nach unten gehen. Erst im letzten Quartal 2010 haben die Bullen dann wieder eine Chance.

 

 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende
Ihr

Andreas Wolf

 

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Lebenslauf

Andreas Wolf beschäftigt sich seit 1989 intensiv und umfassend mit dem Thema Börse. Der gelernte Bankkaufmann sammelte in den 1990er Jahren umfangreiche Berufserfahrung als Anlageberater und technischer Analyst bei verschiedenen Bankhäusern. Die Schwerpunkte lagen dabei im Optionsscheinhandel und dem Einsatz derivativer Finanzinstrumente zur Renditesteigerung. Während der Börsenbaisse 2000 bis 2003 steuerte Andreas Wolf ein Musterdepot für ein Börsenmagazin erfolgreich unter Einsatz von Derivaten durch das widrige Finanzmarktumfeld. Seit sechs Jahren ist der Börsenexperte als selbstständiger Wirtschaftsredakteur für verschiedene Wirtschafts- und Börsenmedien tätig.