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Finanzmärkte: Wo Chancen sind, lauern auch Risiken – und umgekehrt

06.12.2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Zentralbank der Notenbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), warnt vor dem Hintergrund der langanhaltenden Niedrigzinsphase vor künftigen Marktverwerfungen. Das klingt dramatisch, ist es vielleicht auch. Vielleicht. Die Schwachstellen, die sich im Laufe der ungewöhnlich langen Zeit sehr tiefer Zinsen rund um den Globus aufgebaut hätten, seien noch immer vorhanden, erklärte der BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio bei der Vorlage des jüngsten Quartalsberichts. „Der Preis für die kurzfristige Ruhe sind mögliche Turbulenzen auf lange Sicht“, betonte er.

Für manchen Strategen mag das Wort der BIZ besonderes Gewicht haben. Andererseits ist sie ja nicht die einzige Institution, die kritische Töne mit Blick auf die Geldpolitik anschlägt. Also sind solche Äußerungen nichts überraschend Neues mehr. Noch wichtiger: Alle Propheten, von Analysten bis zu Spitzenpolitikern, müssen immer wieder ihre Vorhersagen korrigieren – oft mehrfach in einem Jahr. Das ist ebenfalls keine neue Erkenntnis, sondern schon seit vielen Jahren zu beobachten. Deshalb sollten Anleger die Aussagen zwar ernst nehmen, aber nicht nervös-hektisch darauf reagieren. Und die Aussichten für die Weltwirtschaft insgesamt – nicht zuletzt für die deutsche Konjunktur – werden ja immer positiver gezeichnet.

Die BIZ weist darauf hin, dass es immer noch hohe Schuldenstände sowohl in Landes- als auch in Fremdwährung gibt. In vielen Ländern, die weniger heftig der Finanzkrise getroffen wurden, sind die Schuldenstände inzwischen sogar deutlich größer als vor der Krise. Zudem seien die Bewertungen vieler Vermögenswerte weiterhin hoch oder sogar überzogen.

Bei den BIZ-Experten sorgt der anhaltende Überschwang an den Märkten aber auch für Überraschung. Denn die US-Notenbank Fed ist bereits seit einiger Zeit dabei, ihre Zinszügel behutsam anzuziehen und hat mittlerweile auch den Abbau ihrer im Zuge der Finanzkrise aufgeblähten Bilanz eingeleitet. Auch in der Euro-Zone wird die EZB ab 2018 ihre Konjunkturhilfen etwas zurückfahren, obgleich Zinserhöhungen noch in weiter Ferne liegen. Immerhin halbiert sie ab Januar das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe auf 30 Milliarden Euro. Eine Erklärung für die dennoch nach wie vor sehr günstigen Finanzierungsbedingungen könnten aus Sicht der BIZ die positiven weltweiten Wirtschaftsaussichten sein. Außerdem hätten sich die Finanzmärkte darauf eingestellt, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik nur sehr behutsam straffen werden – und zwar so langsam wie noch nie.

Eine andere Stimme. Mir gefällt die Art und Weise, wie die Fondsmanager von Franklin Templeton Investments ihren Ausblick formulieren (Auszüge): Die Bedingungen an den globalen Finanzmärkten bleiben mit Blick auf 2018 nach wie vor weitgehend günstig. In vielen Ländern ist die Geldpolitik noch locker, die Fiskalpolitik wirkt unterstützend, die Arbeitslosigkeit sinkt, und das Wirtschaftswachstum verläuft positiv und weltweit synchron. Hinzu kommt, dass die Inflation allgemein gedämpft ist, die Unternehmensgewinne robust und die Preise für Vermögenswerte stabil ausfallen. Nach unserer Erfahrung lässt sich Newtons erstes Bewegungsgesetz auch auf die Finanzmärkte anwenden. Die Hausse am globalen Aktienmarkt scheint in Bewegung zu bleiben, bis auf sie eine entgegengesetzte Kraft einwirkt. Daher dürfte nach unserer Auffassung das aktuelle „Goldlöckchen“-Umfeld 2018 unverändert Rückenwind für Aktien bieten, sofern kein externer Schock eintritt.

Welche Ereignisse könnten dieses rosige Szenario stören? Ein unerwarteter Inflationsschub, eine Finanzkrise in China, ein Konflikt mit Nordkorea, ein erneutes Aufflammen des Populismus/Extremismus in Europa oder ein politischer Fehler in dem entstehenden geldpolitischen Straffungszyklus sind einige der Möglichkeiten. Wir können die Zukunft zwar weder genau bestimmen noch vorhersagen, doch können wir Indikatoren im Auge behalten, die Hinweise auf einen möglichen Wendepunkt liefern könnten.

Sie, geschätzte Anleger, sollten dies bei Ihren strategischen und taktischen Entscheidungen bedenken und berücksichtigen. Je nach Ihrem individuellen Risikoprofil und Ihrem zeitlichen Anlagerhorizont sind unterschiedliche Maßnahmen denkbar. Größere Aktienpositionen (langfristige Sparpläne natürlich ausgenommen) würde ich auf jeden Fall gegen starke Kursverluste absichern (durch Trailing Stop Loss, Optionen oder Zertifikate) – der Preis dafür ist zurzeit nicht hoch.

So banal es auch klingen mag – Chancen und Risiken treten immer gemeinsam auf. Bitcoin lässt grüßen (Mittwoch 11:45 Uhr: irre 12.660 Dollar). Wer sich darauf einstellt, wird keinen bösen Reinfall wie nach dem Scheitern des Neuen Markts im Jahr 2000 erleben.

Machen Sie also weiter mit – und machen Sie’s gut!

Herrmann Kutzer
Redaktion
Aktien-Ausblick

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