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Börsenstimmung – Verschiedene Wege zum „Übersommern“

24.07.2017

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Wie nervös sind die Börsen inzwischen? Es gibt dafür zwar diverse Stimmungs- und Volatilitätsindikatoren, eine klare Antwort gibt es jedoch nicht – die Börsenverfassung ist auch (und nicht zuletzt) Interpretationssache. Daher kann der Anleger unterschiedliche Einschätzungen der seit Wochen andauernden Schaukelbörsen hören und lesen. Und so gehen auch die Meinungen über den voraussichtlichen Verlauf der zweiten Jahreshälfte auseinander. Der Anleger selbst muss sich jetzt entscheiden – wenn nicht längst geschehen –, auf welche Art er über den Sommer kommen will. Dabei sollte auch die persönliche Risikobereitschaft überprüft werden.

Am vergangenen Samstag war die Stimmung viel besser als die Kurse – jedenfalls in Rosenheim, dem Verlagssitz. Denn die offizielle Einweihung von Deutschlands erstem privaten Börsenmuseum weckte euphorische Stimmung bei Gastgebern und Gästen. Klar, dass in den anschließenden Diskussionen auch die obligate „ Wohin-geht-der-Dax-Frage“ lebhaft diskutiert wurde. Viele meiner Gesprächspartner sorgen sich zwar weniger um Konjunktur und Geldpolitik, umso mehr aber wegen der weltpolitischen Gefahren. Damit sah ich mich bestätigt, ohne den Anlegern eine allgemeingültige Antwort liefern zu können. Jeder sollte für sich prüfen, ob zumindest taktische Änderungen in seinem Anlageverhalten angesagt sind – Beispiel: Gewinne nicht einfach laufen zu lassen, sondern zumindest teilweise mitzunehmen.

Der jüngste Sentiment-Wochenbericht von der Börse Frankfurt macht erneut deutlich, wie wechselhaft und unsicher das Verhalten der Investoren derzeit ist – obwohl es weit übertrieben wäre, von großer Nervosität zu sprechen. Immerhin konnte man mitunter den – falschen! – Eindruck gewinnen, es gäbe jetzt mehr Argumente gegen als für Aktien. Dann haben die Verhaltensforscher am Main registriert, dass die befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren nicht untätig geblieben sind: Wie bereits in der Vorwoche gedacht, wurde die zwischenzeitlich freundliche Tendenz des Marktes zu Gewinnmitnahmen genutzt. Da sich fast alle vormaligen Optimisten nicht direkt ins Bärenlager, sondern auf die Seite der neutral gestimmten Akteure geschlagen haben, kann man davon ausgehen, dass zum einen die fundamentalen Betrachtungen für diese Positionierung einen untergeordneten Grund gespielt haben dürften. Neben aufgelaufenen Gewinnen, die gerne realisiert worden sein dürften, könnte jedoch auch noch die Sitzung der Europäischen Zentralbank für eine gewisse Risikoaversion gesorgt haben.

Bei den Privatanlegern war ein ähnliches Verhaltensmuster zu beobachten, wenn auch längst nicht in gleichem Ausmaß. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist für diese Gruppe nur geringfügig gefallen. Auch dort scheint man den bearishen Argumenten für den Dax nur ein geringes Gewicht beizumessen. Damit wird auch deutlich, dass die Kursverluste des Börsenbarometers seit Freitag vergangener Woche mit hoher Wahrscheinlichkeit heimischen Quellen zuzuschreiben sind. Die Sentiment-Indizes der institutionellen und privaten Anleger befinden sich damit zwar wieder in negativem Terrain, doch sind sie bezogen auf die Vergleichswerte der vergangenen drei bzw. sechs Monate nicht als "stark bearish" zu interpretieren.

Per saldo also ungebrochener Optimismus für die Zukunft? Nein, die Zuversicht ist schon eingeschränkt. Wirft man die wichtigen Börsenfaktoren in die Waagschalen, dann bleibt das Ergebnis instabil. Einen stärkeren, nachhaltigen Kursrückgang oder gar einen Crash schließe ich – soweit absehbar – allerdings aus. Die Hauptsorge bereitet mir, wie gesagt, unverändert das geopolitische Umfeld, weil von den machthungrigen Autokraten eine unberechenbare Gefahr ausgeht. Und der zunehmend schwächelnde US-Präsident Donald J. Trump entwickelt sich inzwischen zu einem wirtschaftspolitischen Risiko gerade für Europa. Aktuell gewinnt zwar die Berichtssaison für das zweite Quartal an Fahrt. Doch abgesehen von Einzelreaktionen dürften sich die Kurse deshalb nicht allzu sehr bewegen, spiegeln sie doch die Konjunkturerholung und die verbesserten Gewinnaussichten der Unternehmen längst wider.

Was also tun, wenn die Kurse weiter hin- und herschaukeln und man allenfalls von einem Seitwärtstrend sprechen kann? Für den betont vorsichtigen Privatanleger sind das Tage und Wochen des Nichtstuns. Wer selbst keine klare Meinung zu den kurz- bis mittelfristigen Aussichten hat – also für die zweite Jahreshälfte –, kann sich ruhig auf die Tribüne zurückziehen und erst einmal zuschauen. Den Aktiven mag solche Passivität nicht gefallen. Denen empfehle ich unverändert und in erster Linie den Aktienmarkt.

Machen Sie also weiter mit und bleiben Sie wachsam – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer
Redaktion
Aktien-Ausblick

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