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Börsenprognosen – „Zinswende“ ist das Investment-Wort 2017

22.12.2016

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

egal, was in den verbleibenden Tagen des alten Jahres noch geschieht – die Auffahrt der Aktienkurse auf historische Rekorde (Wall Street) bzw. ein neues Jahreshoch (Dax) sind schon die Rally gewesen, auf die so viele Anleger hofften. Und es herrscht verbreitet Zuversicht, dass sich der Trend im neuen Jahr fortsetzen wird, zumindest in den ersten Wochen und Monaten.

Dass ich – anders als die starken Bullen – noch vorsichtig bleibe, hängt einzig mit Donald J. Trump zusammen, dem ich nach wie vor nicht traue. Wer ähnlich vorsichtig ist, sollte sich mit weiteren Aktienkäufen zumindest bis zur nächsten Konsolidierungsphase, die ja bald kommen muss, oder bis Februar/März zurückhalten. Dann wird sich nämlich an den ersten konkreten Maßnahmen des neuen Präsidenten zeigen, ob er tatsächlich die hoch gesteckten Erwartungen von US-Wirtschaft und Börse erfüllen kann.

Die meisten Expertenprognosen hierzulande liegen mittlerweile vor. Heute ein Blick auf die jährliche Vermögensverwalter-Umfrage von Universal-Investment, bei der interessanterweise auch ein Investment-Wort des Jahres 2017 gekürt wurde: „Zinswende“. Hier die Kernaussagen:

• Moderate Steigerungen für Dax, Euro Stoxx 50 und S&P 500 erwartet.
• Zinswende im Euro-Raum fällt aus, soll sich aber in den USA fortsetzen.

Führende unabhängige Vermögensverwalter in Deutschland erwarten für das kommende Jahr einen mäßigen Kursanstieg der wichtigsten Aktienindizes, einen Fortgang der Nullzins-Politik im Euro-Raum, Preissteigerungen für Edelmetalle und Öl sowie ein robustes Wirtschaftswachstum in Deutschland. Für Privatanleger empfehlen die Anlageexperten, das Gros ihrer Anlagen in Aktien aus den Industrienationen zu investieren. Besonderes Augenmerk sollen Investoren auf Wertpapiere aus Deutschland und den USA legen. Für drei der wichtigsten Aktienindizes prognostizieren die Vermögensverwalter steigende Kurse in 2017. Für den deutschen Leitindex Dax erwarten die Experten im kommenden Jahr einen Anstieg um 5 Prozent (Basis: Schlussstand vom 12.12.2016) auf einen durchschnittlichen Stand von 11.761 Punkten. Den europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 sehen die Vermögensmanager bis Ende 2017 bei 3321 Punkten, ein Plus von knapp 4 Prozent. Für den US-amerikanischen Unternehmensindex S&P 500 wird ein Zuwachs von durchschnittlich nur noch 1,5 Prozent auf 2290 Punkte prognostiziert.

Das Gros der befragten Experten erwartet auch im nächsten Jahr keine signifikanten Veränderungen des Leitzinses im Euro-Raum. Erst auf Dreijahressicht ist für viele ein leicht höheres Zinsniveau vorstellbar. Die Geldpolitik der EZB findet nun auch etwas mehr Akzeptanz unter den Profis. Bewerteten bei der Vorjahresumfrage noch zwei Drittel der Teilnehmer die ultralockere EZB-Geldpolitik als Grundstein für die nächste Finanzkrise, bewertet nun die Mehrheit die Geldpolitik mit den Ankaufprogrammen als einzige Möglichkeit zur Stabilisierung der Finanzmärkte – wenn auch nicht kritiklos.

Die Mehrheit der unabhängigen Vermögensverwalter hat sich bei der Wahl nach dem Investment-Wort des Jahres für "Zinswende" entschieden – angesichts des Niedrigzinsumfeldes und den Auswirkungen für die Kapitalanlage eine nachvollziehbare Entscheidung.

Beim Blick auf die Rohstoffe sind die Investmentspezialisten ebenfalls optimistisch: Sie erwarten für 2017 einen Anstieg des Goldpreises um 6 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs auf dann durchschnittlich 1229 US-Dollar pro Unze. Für Silber gehen die Vermögensverwalter von einem Anstieg um etwas über 11 Prozent auf 19 US-Dollar pro Unze aus. Auch der Anstieg des Ölpreises dürfte sich demnach fortsetzen, das Barrel WTI-Rohöl sollte zum Jahresende um 7 Prozent teurer werden und dann 57 US-Dollar kosten. Der erwartete Anstieg der Rohstoffpreise dürfte auch ein Grund dafür sein, dass knapp 60 Prozent ein Inflationsszenario für den Euro-Raum erwarten.

Damit erwarten die Vermögensverwalter eine alles in allem moderate Entwicklung auf den wichtigsten Märkten – ähnlich den Prognosen einiger Banken. Sie bleiben also weit hinter den kürzlich vorgelegten Prognosen von sentix Management. Die international beachteten Verhaltensforscher gehen ja von deutlich mehr als 20 % Dax-Anstieg auf mindestens 14.000 in der ersten Hälfte 2017 aus, befürchten anschließend aber eine „kalte Dusche“.

Ich empfehle Ihnen, geschätzte Anleger, mit Demut ins neue Jahr zu gehen. Viel wird von Trump abhängen und den europäischen Wahlen. Parallel dazu gilt es zu beobachten, wie sich die Wende bei den Inflationsraten und Zinsen auf die Aktienmärkte auswirken wird. Dazu kommt die Währungsseite, denn die Euro-Dollar-Parität ist schon greifbar nahe, was nicht nur Freude auslöst. Schon deshalb bleiben die internationalen Kapitalströme, die ich kontinuierlich zu beobachten versuche, gerade für Dax & Co. von besonderer Bedeutung.

Ach ja, eines steht fest: Aktien werden Anleihen auch 2017 schlagen!

Machen Sie also weiter mit – und machen Sie’s gut!

Herrmann Kutzer
Redaktion
Aktien-Ausblick

 
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